Gemeinsam mit der Referentin Katharina Baumgartner blickte die Landesdemokratiekonferenz auf technische Grundlagen und beleuchtete, wann KI zum problematischen Werkzeug wird und wie KI Tools in der politischen Bildung sinnvoll eingesetzt werden können. Katharina Baumgartner studierte Medieninformatik in Düsseldorf und Bildungs- und Erziehungsprozesse in Passau. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund vereint sie ihr technisches Know-How mit politischer Bildung. Die diesjährige Landesdemokratiekonferenz in Worms startete mit ihrem Vortrag „#Radikalisierung durch KI? Von digitaler Propaganda, programmierten Vorurteilen und demokratischen Antworten“.
Katharina Baumgartner erläuterte die Geschichte von KI, denn sie ist keine ganz neue technische Errungenschaft. Die erste Idee einer programmierbaren, mechanischen Rechenmaschine hatte die britische Mathematikerin Ada Lovelace bereits 1843, als sie den ersten Algorithmus „Analytical Engine“ entwickelte, der Bernoulli-Zahlen berechnen sollte. Über 100 Jahre später, 1956, wurde der Begriff Künstliche Intelligenz erstmals in einem Vorschlag für einen Workshoptitel von John McCarthy (Dartmouth College), Marvin Minsky (Harvard University), Nathaniel Rochester (IBM) und Claude Shannon (Bell Telephone Laboratories) verwendet. Zwei Jahre später entwickelte der Psychologe Frank Rosenblatt das sogenannte Perzeptron, ein lernfähiges künstliches Neuron, das die Grundlage für maschinelles Lernen darstellt. Doch waren weitere technische Voraussetzungen für den späteren Siegeszug der KI notwendig, unter anderem hohe Computer-Speicherkapazitäten und eine Datengrundlage, die erst seit den 1980ern mit Hilfe des Internets zunehmend genügend große Datenmengen erzeugte. Seit den frühen 2022er Jahren hat sich KI immer schneller entwickelt. Spätestens als im November 2022 die Anwendung ChatGPT vom Unternehmen OpenAI öffentlich zugänglich gemacht wurde, ist KI in aller Munde. Seitdem haben sich KI-Anwendungen rasant entwickelt. Heute werden generative KI-Chatbots beispielsweise als Suchmaschine, für das Schreiben oder für die Zusammenfassung von Texten verwendet. Auch Bilder oder Videos können mithilfe von KI-Systemen schnell generiert werden.
Doch was bedeutet KI? Katharina Baumgartner erklärte in ihrem Vortrag die Grundzüge von KI, um dann auf die Risiken und Probleme einzugehen. Eine KI kann menschliche Fähigkeiten imitieren, da sie Informationen erkennt, sortiert und daraus Muster und Wahrscheinlichkeiten generiert. Eine KI wird mithilfe von großen Datenmengen trainiert. Damit sie eine Aufgabe, wie zum Beispiel einen Text zu schreiben, lösen kann, lernt eine KI durch sogenanntes „maschinelles Lernen“ mithilfe der Daten, die sie zur Verfügung hat, wie Texte üblicherweise aufgebaut sind, welche Wörter verwendet werden und wie Sprache funktioniert.
Risiken von KI
Aber so hilfreich KI ist und unseren Alltag beispielsweise beim Schreiben von Texten, dem Smarthome oder für einfache und korrekte Übersetzungen unterstützt, so birgt die KI auch Risiken. Automatisierte Prozesse, die mithilfe von KI funktionieren, können diskriminieren. Katharina Baumgartner ging darauf ein, dass KI ihre Informationen aus vorhandenen Datensätzen nutzt und so die Diskriminierungsmuster aus diesen reproduziert. Das hat zur Folge, dass zum Beispiel Bildgeneratoren Stereotype reproduzieren und mehrheitlich weiße Personen abbilden bzw. schwarze Menschen häufig stigmatisierend darstellen. KI-Systeme werden auch genutzt, um Desinformation oder Deep Fakes zu erstellen. Ebenso verwenden zum Beispiel auch rechtsextreme Akteure auf Social Media gerne generative KI, um Bilder oder ihre Inhalte zu produzieren.
Die Referentin ging im Anschluss darauf ein, wie KI-Tools sinnvoll eingesetzt werden können. Sie betonte, wie wichtig es ist, einen Umgang mit KI zu finden und diese für ein demokratisches Miteinander zu nutzen. KI kann beispielsweise bereits dabei unterstützen, Desinformation in Texten aufzudecken und so für Faktenchecks hilfreich sein.
Die digitale Bildung spielt eine entscheidende Rolle, um die „Angst“ vor KI zu nehmen. Eine Grundlage dafür ist die Medienkompetenz. Es ist wichtig, die digital vernetzte Welt zu verstehen. Im Jahr 2016 ist die sogenannte Dagstuhl-Erklärung mit dem Dagstuhl-Dreieck entstanden, die sich mit der Bildung in der digital vernetzen Welt beschäftigt. Baumgartner erläuterte das Ziel des Dagstuhl-Dreiecks, die Phänomene der digitalen Welt und die daraus resultierenden Bedingungen für Bildungsprozesse mithilfe des Wissens aus Informatik, Informatikdidaktik, Medienpädagogik sowie Medienwissenschaft zu beschreiben. So sollen die notwendigen Kompetenzen herausgearbeitet werden, um an einer digitalen Welt teilhaben zu können. Die darin beschriebenen drei Perspektiven müssen dabei ganzheitlich betrachtet werden:
die technologische Perspektive fragt, wie die Systeme funktionieren, welche die digitale Welt ausmachen
die gesellschaftlich-kulturelle Perspektive untersucht die Wirkung der digitalen vernetzten Welt
die anwendungsbezogene Perspektive nimmt die Nutzung der Systeme in den Blick.
Am Nachmittag der Landesdemokratiekonferenz fand eine Projektwerkstatt mit der Fast Networking-Methode statt. Ziel dieser Methode ist es, ein Thema möglichst schnell gemeinsam mit allen Teilnehmenden zu erarbeiten. Durch das Anknüpfen an Vorwissen ermöglicht sie einen dynamischen Einstieg in das Thema und fördert das gegenseitige Kennenlernen der Teilnehmenden. In verschiedenen Kleingruppen wurden so die Inhalte von Katharina Baumgartners Vortrag mit dem schon vorhandenen Wissen verknüpft und praxisnahe Projektideen im Kontext von KI, Radikalisierung und Prävention entwickelt.
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