Digitale Themenwoche 2024

„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“ (T.W. Adorno) – Handlungsfähigkeit in einer Gesellschaft im Spannungsfeld von Krisenhaftigkeit und Alltagsleben

Die diesjährige digitale Themenwoche nimmt (gesamt-)gesellschaftliche Herausforderungen in den Blick, die unser demokratisches Miteinander gefährden und prägen. Wie wir auf diese unterschiedlichen Problemstellungen konstruktiv reagieren sowie Macht- und Ohnmachtsstrukturen reflektieren können, um unsere Handlungsfähigkeit (wieder-)herzustellen und zu sichern, betrachten wir in Vorträgen von Katharina Nocun, Prof. Dr. Karim Fereidooni, Mehmet Koc, Romina Wiegemann und Jana Haskamp.

Die Veranstaltungen der digitalen Themenwoche richten sich an Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, der politischen Bildung, der Demokratieförderung und Extremismusprävention, sowie an pädagogische Fachkräfte aus Schulen und Interessierte. Das Angebot ist kostenfrei und wird über das Videokonferenzsystem Zoom umgesetzt.

Anmeldeschluss: 20.02.2024


Montag, 26.02.2024 von 10:00 bis 12:00 Uhr: Incels und antifeministische Verschwörungserzählungen
Referentin: Katharina Nocun 
(Publizistin, Netzaktivistin)

Toxische Männlichkeit hat viele Gesichter. Ein Extrembeispiel sind Incel-Commuities, in denen patriarchale Unterdrückungsfantasien, vermengt mit extrem rechter Ideologie, zur vermeintlich "natürlichen Ordnung" verklärt werden. In dieser Szene kursierende antifeministische Verschwörungserzählungen werden dabei regelmäßig dazu benutzt, um Gewalt gegen Frauen zu legitimieren. Dass diese Ideologie letztendlich den Nährboden für mehrere terroristische Attentate bereitete, bei denen Frauen gezielt umgebracht worden sind, ist dabei in der Mehrheitsgesellschaft kaum bekannt. Dies muss ich dringend ändern.

Dienstag, 27.02.2024 von 15:00 bis 17:00 Uhr: Diversitätssensibilität in Gesellschaft und Bildungsinstitutionen
Referent: Prof. Dr. Karim Fereidooni
 (Didaktikprofessor)
„In seinem Vortrag mit dem Titel „Diversitätssensibilität in Gesellschaft und Bildungsinstitutionen“ geht Prof. Dr. Karim Fereidooni auf die Konstruktion von ‚Normalität‘ in unserer Gesellschaft und in unterschiedlichen Bildungsinstitutionen ein und problematisiert diesen Konstruktionsprozess, weil dadurch Ausschlüsse entstehen. Ferner stellt er unterschiedliche Theorien und Studien zum Thema Diversitätssensibilität dar und präsentiert Maßnahmen, die darauf angelegt sind, mit Diversität konstruktiv umzugehen. Im zweiten Teil des Vortrags wird darauf eingegangen, was der ‚Migrationshintergrund‘ mit dem Schulerfolg zu tun hat.“

 

Mittwoch, 28.02.2024 von 15:00 bis 17:00 Uhr: Extremismus digital: „Online-Radikalisierung“ als Herausforderung für die pädagogische Praxis
Referent: Mehmet Koc
(Demokratiezentrum Rheinland-Pfalz)

„In einer Zeit, in der das Internet eine zentrale Rolle in unserem Leben - somit auch insbesondere junger Menschen -  spielt, wollen wir gemeinsam einen Blick auf die Herausforderungen werfen, die mit der Radikalisierung im digitalen Raum einhergehen.

In einem informativen und interaktiven Vortragsformat wird gemeinsam betrachtet, wie extremistische Akteur:innen ihre Ideologien im Internet verbreiten, welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen und wie pädagogisch darauf reagieren werden kann. Die Veranstaltung bietet die Gelegenheit, mehr über die Hintergründe von Online-Radikalisierung im Kontext politisch-weltanschaulicher Extremismus am Beispiel der Neuen Rechten, wie auch religiös kontextualiserter Extremismus zu erfahren und gemeinsam mögliche Präventionsstrategien zu diskutieren.“ 

 

Donnerstag, 29.02.2024 von 15:00 bis 17:00 Uhr: Zum Umgang mit den Folgen der Massaker vom 7. Oktober in pädagogischen Räumen
Referentin: Romina Wiegemann
(Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung und Forschung)

„Die Massaker an der israelischen Zivilbevölkerung vom 7. Oktober 2023 und der Krieg in Gaza und Israel schlagen auch außerhalb der Region starke Wellen. Durch die mediale Berichterstattung und soziale Netzwerke ist diese Situation die Lebenswelt von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern eingedrungen, selbst dann, wenn sie nicht davon betroffen sind. Seit dem 7.10. kommt es hierzulande zu einem massiven Anstieg von Antisemitismus und auch antimuslimischer Rassismus bricht sich Bahn. Ein angemessener Umgang mit den Ereignissen, mit Antisemitismus und Rassismus, ergibt sich in pädagogischen Räumen nicht von selbst. Der Vortrag liefert Impulse für ein umfängliches und rassismuskritisch reflektiertes Antisemitismusverständnis und die Bedeutsamkeit von institutionellen Interventions- und Schutzkonzepten für Betroffene von Gewalt und Diskriminierung.“

 

Freitag, 01.03.2024 von 10:00 bis 12:00 Uhr: Gewaltvolle männliche Räume
Referentin: Jana Haskamp
(Dissens - Institut für Bildung und Forschung)

Im gesellschaftlichen Alltag gibt es einige Räume, die von Menschen unterschiedlicher Geschlechter verschieden erlebt werden: bei Party-Veranstaltungen, in Internet-Foren, im Fußballstadion, im Beisein alkoholisierter Männer-Gruppen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei der Arbeit in männlich dominierten Berufen machen besonders nicht-cis-männliche Personen oft unangenehme bis hin zu gewaltvolle Erfahrungen.

Manche der Verhaltensweisen, die als bedrohlich erlebt werden, lassen sich durch die sogenannten Männlichkeitsanforderungen, die an Menschen gestellt werden, die als Männer leben, erklären, denn diese prägen die Art und Weise, wie sich Männer im öffentlichen Raum bewegen, präsentieren, arbeiten, Gewalt ausüben und in Beziehungen verhalten.

Du möchtest Ideen erhalten, wie du dich gegen mackriges Dominanzverhalten und sexistische Witze zur Wehr setzen kannst? Vielleicht bist du dir auch unsicher, wie du auf andere wirkst oder möchtest dich weniger gewaltvoll und raumeinnehmend verhalten, aber weißt nicht wie?

Der Vortrag fokussiert den Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Gewalt, die Angst vor Männern (auch) von Männern, den viel umschriebenen Begriff der „toxischen Männlichkeit“ und zeigt Ideen auf, wie geschlechtsbasierte Gewalt beendet werden kann.