„Selektive Säkularität?! Diskurse über Religion, Religionsfreiheit, Rassismus und ihre Konsequenzen“

Die deutsche Gesellschaft ist stark vom Christentum geprägt. Dies zeigt sich auch in der Zusammenarbeit und staatlichen Förderung von Staat und christlichen Institutionen. Im Gegensatz dazu werden andere Religionen als fremd wahrgenommen und ihre Angehörigen finden im Alltag weniger Raum für ihre religiösen Bedürfnisse. Christliche Privilegien äußern sich zum Beispiel in der Legung von gesetzlichen Feiertagen, in exklusiv konfessionsgebundenen Sendezeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, oder im Einsammeln der Kirchensteuer seitens der Finanzämter. Immer dann, wenn von christlichen Privilegien die Sprache ist, geht es auf der Kehrseite auch um die Benachteiligung anderer Religionen bzw. ihrer Angehörigen bis hin zu Diskriminierung.

Denn: Andere Religionen, so zum Beispiel der Islam oder das Judentum, genießen diese strukturellen Vorteile nicht. Ohnehin sticht in öffentlichen Debatten eher die Religion „der Anderen“ ins Auge und wird kritisch beäugt. Gerade Zeichen muslimischer Religiosität werden im öffentlichen Raum und besonders in staatlichen Institutionen nicht gern gesehen, manchmal sogar untersagt. Beispielhaft zeigt sich das, an den immer wiederkehrenden Diskursen über das Kopftuch. Dies wird oftmals damit begründet, dass Deutschland eine säkulare und religionspolitisch neutrale Gesellschaft sei.

Genau an dieser Stelle ergeben sich folgende Fragen, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe aufgegriffen werden:

  • Wie säkular ist Deutschland tatsächlich?
  • Was ist gemeint, wenn von „säkular“ gesprochen wird?
  • Was haben christliche Privilegien mit all dem zu tun?
  • Wie können diese Privilegien zu rassistischer Diskriminierung führen?
  • Welche Auswirkungen haben sicherheitspolitische Maßnahmen im Rahmen der Islamismusprävention auf die hier angesprochenen Aspekte?

Zielgruppe sind Fachkräfte aus Schule und außerschulischer Jugendarbeit. Außerdem richtet sie sich die Veranstaltungsreihe an alle, die in ihrem beruflichen Alltag mit vordergründig religiös gerahmten Konflikten zu tun haben. Als Vortragsmedium wird Zoom verwendet.

Anmeldungen bitte bis spätestens zum Vortag der Veranstaltung per Mail an salam(at)lsjv.rlp.de  oder über das Anmeldeformular. Der Versand des Links zur Veranstaltung erfolgt anschließend.

 

PROGRAMM

Montag 18.10.21 16.00h bis 17.30h: „Religiöse Gefühle, säkulare Gefühle, oder: Wer wird hier verletzt?“
Dr. Nur Yasemin Ural, Universität Leipzig
Gibt es religiöse und säkulare Emotionen? Werden religiöse Emotionen schneller verletzt als säkulare Emotionen? Oder haben säkulare Menschen keine Gefühle, die verletzt werden können? Was müssen wir ertragen und was nicht? Gelten hier für religiöse Menschen verschiedener Konfessionen und nicht-religiöse Menschen die gleichen Erwartungen oder sind ungleiche Erwartungen im Spiel?

Donnerstag 28.10.21 16.00h bis 18.00h: „Einführung in Religionssensibilität in der pädagogischen Arbeit“ (AUSGEBUCHT - WARTELISTE MÖGLICH)
Philip Mohamed Al-khazan, Beratungsstelle Legato, Hamburg
Religiöse Konflikte im beruflichen Alltag der pädagogischen Arbeit können sich unterschiedlich äußern. Aus meiner Berufserfahrung als Lehrer und Berater stellt diese Einführung eine Annäherung an Handlungssicherheit in Bezug auf religiös begründete Konflikte in der pädagogischen Arbeit dar. Dieser Workshop richtet sich an Sozialarbeitende sowie Lehrerinnen, Lehrer und alle, welche mit Zielgruppen zu tun haben könnten, welche eine Weltanschauung haben, die auf verschiedenen Ebenen herausfordern können und die eigene Handlungssicherheit erschüttern können.

Donnerstag 4.11.21 16.00h bis 17.30h: „Rassismuserfahrung als Radikalisierungsfaktor? Ein kritischer Blick auf das schwierige Verhältnis von Rassismuskritik und Islamismusprävention“
Sindyan Qasem, Freie Universität Berlin, Institut für Islamwissenschaft
Während der letzten Jahre wurde eine breit aufgestellte Infrastruktur zur Prävention von Islamismus geschaffen. In diesem neuen Handlungsfeld steht Sicherheit – unsere Sicherheit – an allererster Stelle. Rassismuserfahrungen gelten in diesem Zusammenhang oft als Auslöser von sogenannten Radikalisierungsprozessen. Nicht selten nehmen sich Projekte der Islamismusprävention deswegen vor, antirassistische Arbeit zu leisten, um Radikalisierungen zu verhindern.
Doch wieviel Platz lässt eine Islamismusprävention, die sicherheitsorientiert aufgestellt ist, überhaupt für grundsätzliche Rassismuskritik? Lässt sich mit Förderngeldern aus Islamismuspräventionstöpfen gut rassismuskritisch arbeiten? Welche Widersprüche ergeben sich? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt und sollen im Gespräch mit Sindyan Qasem sowohl mit konkreten Beispielen aus der Praxis als auch mit analytischem Zugang beantwortet werden.

Donnerstag 11.11.21 16.00h bis 17.30h: „Praxis Talk“ zur weiteren Arbeit an dem Thema.
Demokratiezentrum Rheinland-Pfalz
„Warum ist der „Praxis Talk“ ein Mehrwert für Sie? Mit der Veranstaltungsreihe „Selektive Säkularität?! Diskurse über Religion, Religionsfreiheit, Rassismus und ihre Konsequenzen“ soll zur Diskussion und Reflexion angeregt werden. Häufig geht dies im Alltag dann doch schnell unter. Mit dem „Praxis-Talk“ soll darüber hinaus ein Raum für Austausch eröffnet werden, was in der täglichen Arbeit bewegt und welche Herausforderungen Fachkräften begegnen.
Wie können die Inputs aufgegriffen und der Berufspraxis angepasst werden? Im „Praxis-Talk“ soll über die Inhalte der Veranstaltungsreihe hinaus in einen (Erfahrungs-) Austausch gegangen und gemeinsam Handlungsoptionen erweitert werden.“